Appartement im Schönherr Haus im Stubaital, Foto: Andre Schönherr

Schöngeist: Schönherr Haus. Schön herr-lich im Stubai.

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„Wow,“ dachte ich mir, „und das im Stubaital.“ Reduziertes Design, altes Holz, viel wärmende Detailverliebtheit – im Schönherr Haus im Stubaital kann man seine Wintersport-Ambitionen schon mal vergessen. Einzig der Sportladen im Haus weckt die leise Reminiszenz an ursprüngliche Intentionen.

Kristina

Kristina Erhard war schon viel unterwegs, am liebsten in Afrika.... Zum Autor

Alles am Schönherr Haus in Neustift im Stubaital ist Raum. Raum zum Entspannen, Raum zum Genießen, Raum zum Verweilen. Und mehr als das: Der Raum spiegelt in einer Art modernen Tradition das Stubaital mit seinen Bergen wider. Leicht aneckend – mehr noch: fordernd und neugierig, jedoch ohne jeglichen Zynismus und allfälliger Verspieltheit. Der Eingangsbereich des Hotels wirkt mit seiner gläsernen Front wie in das alte Bauernhaus geschnitten – harmonierend in Farbe und Form, dennoch auffallend, als wolle man sagen: „Du bist jetzt hier, bei uns im Schönherr Haus. Wir werden dich mit Besonderem überraschen, aber du wirst dich vor allem wohlfühlen – wie auch Generationen vor dir in diesem Haus.“ Es ist die Symbiose von altem Holz und Moderne, die nie kalt wirken kann.

Perfekte Symbiose aus Alt und Neu, Foto: Andre Schönherr

Perfekte Symbiose aus Alt und Neu, Foto: Andre Schönherr

Amaranth-Pudding in der Stube.

Grüner Samt an gelebtem Holz empfängt mich in der Stube des Frühstücksraums. Wobei die Bezeichnung für Letzteren irreführend ist. Das traditionelle Element der Tiroler Stube öffnet sich zum Loft-ähnlichen Speiseraum mit langgezogenen Tischen und der grün-gekachelten Frühstücksbar, die man so irgendwie eher in Berlin-Friedrichshain erwarten würde. Oder in einem Mid-Century-Cafe in Rom. „Stopp“, dachte ich mir in diesem Moment, „stell doch keinen Vergleich an, das Schöne an Hier ist, dass es hier ist.“ Überzeugt mit der richtigen Einstellung im Schönherr Haus zu sein, setzte ich mich in die Ecke der Stube, löffelte meinen Amaranth-Pudding und hörte der Dame des Hauses, Patricia Schönherr, zu.

Loft-mäßig, Berlin-mäßig, Mid Century-mäßig? Nein, Schönherr-mäßig.

Loft-mäßig, Berlin-mäßig, Mid Century-mäßig? Nein, Schönherr-mäßig.

Berge, Leidenschaft und das gewisse Auge.

Patricia Schönherr würde sich wohl nicht als Dame bezeichnen, zumal sie geschäftig an allen Ecken und Ende zupackt, selbst wenn es nur bedeutet, an den Rand des Tassenuntersetzers noch einen kleinen Keks zu legen. Denn es ist das Detail, aber auch nicht zu viel davon. Die Kunst, die Mitte zu finden, ist gerade in der Hotellerie eine Herausforderung. Schönherr hat diese grundeigene Mischung aus Naturverbundenheit, Neugierde und Eleganz. So schuf sie ein Haus, in dem man sich sofort wohlfühlt. Das heimelige Gefühl zieht sich auch in den Appartements des Schönherr Hauses fort.

Heimelig warm: auch nackte Glühbirnen können einladend wirken. Foto: Andre Schönherr

Heimelig warm: auch nackte Glühbirnen können einladend wirken. Foto: Andre Schönherr

Hey, ich wohne hier.

Aus Schönherrs Erzählungen hörte ich heraus, dass sie einen Ort schaffen wollte, wo sie selbst gern Urlaub machen würde. So lässt beispielsweise das Freiger-Apartment keine Wünsche offen, mehr noch: Es bietet sich an, verkauft sich aber nicht. Das reduzierte Ambiente lädt zum Wohnen ein, aber auch zu leben: entweder als Zimmer mit Frühstück oder eben als Wohnung mit Küche. Kann man, muss man aber nicht. Vielleicht ist auch das ein wenig das Geheimnis des Hauses: Es führt optisch in eine Richtung, zwingt diese aber nicht auf. Auch inhaltlich ist das so: Schönherr bezieht die Produkte ihres Frühstücksbuffets aus Bio-Landwirtschaft, der Kaffee ist original italienisch. Aber das passiert still und leise, ohne sich damit zu schmücken. Das würde nicht passen. Dennoch: Das Brot wird frisch gebacken, der Apfelsaft schmeckt mit Äpfeln aus Österreich. Das Frühstück teilt sich dann wiederum in mehrere Geschmacksrichtungen auf: frisch Geschnittenes, Geräuchertes und Eingekochtes, danach Eier von glücklichen Hühnern und würziger Bergkäse, dann saftiger Kuchen, der wunderbar krümelt – denn auch Zeit ist Raum! Und diesen speziellen hier wollen wir nie wieder verlassen.

Fotos: Kristina Erhard, außer anders angegeben

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